Diese Reise ist eine Mischung aus „Dolce Vita“ und „Tour de Wahnsinn“! Ich cruise genussvoll mit sanft surrendem Motor durch die Weinberge, während mein sportlicher Begleiter, mit Waden aus Stahl, irgendwo vorne am Horizont auf seinem Rennvelo das nächste Strava-Segment jagt. Am Ende treffen wir uns wieder – beim Radler im Hotel in Kurtinig.

Ganz so war es natürlich nicht. Trotz der scheinbaren Gegensätze waren wir überraschend synchron unterwegs. Genussradlerin mit E-Gravelbike und Tempobolzer auf Rennvelo? Klappt wunderbar.
Kurtinig – unsere charmante Homebase zwischen Reben und Ruhe
Kurtinig, der letzte Ort an der Südtiroler Weinstrasse, ist ein Dorf wie gemalt – klein, sonnenverwöhnt und mit genau der richtigen Portion Charme. Hier parkt der Traktor seelenruhig vor dem Dorfladen, abends knattert der örtliche Vespa-Club gemütlich zum Weinkeller, und ansonsten passiert… herrlich wenig. Genau das macht den Zauber aus. Zwischen alten Höfen, Rebstöcken und ehrlicher Südtiroler Herzlichkeit haben wir uns auf Anhieb wohl gefühlt. Ein perfekter Ausgangspunkt für all unsere Radabenteuer – entspannt und einfach zum Gernhaben.



Grenzübertritt mit Kultursprung
Kaum rollt man hinter Kurtinig über die Provinzgrenze nach Trient (Trento), fühlt es sich plötzlich noch ein bisschen italienischer an: die Sprache, die Atmosphäre, der Duft nach Espresso an jeder Ecke. Deutsch hört man kaum noch, dafür ein fröhliches „Ciao!“ statt „Grüassdi“. Abseits der touristischen Weinstrasse wird’s ruhiger, ursprünglicher – und irgendwie auch authentischer.



Val di Non
Im Nonstal wird jede Pedalumdrehung mit einer neuen Augenweide belohnt: saftig grüne Apfelplantagen, tief eingeschnittene Täler und das Glitzern vom Lago di Santa Guistina. Wir rollen durch dieses Naturkino mit ständig wechselnden Kulissen und gönnen uns einen Teller Spaghetti mit traumhaftem Blick aufs Wasser: mehr braucht es wirklich nicht für das perfekte Radlerglück.


Rauf, runter, staunen – unterwegs zum Lago di Molveno
Auch diese Tour ist ein Genuss: ein stetiger, sanfter Anstieg, begleitet von spektakulären Ausblicken auf die umliegenden Berge. Der Lago di Molveno liegt wie ein türkisblaues Juwel eingebettet zwischen den mächtigen Brenta-Dolomiten und dem Paganella-Massiv – ein Anblick, der zum Innehalten einlädt. In Andalo, das im Winter wohl vor Leben sprüht, herrscht jetzt im Frühling eine fast meditative Stille. Der Ort wirkt, als hätte er kollektiv Siesta verordnet. Mit etwas Geduld finden wir doch noch ein geöffnetes Restaurant – genau richtig, um uns für die 10 km lange Abfahrt zu stärken.



Gegenwind und Bilderbuchidylle – unterwegs auf dem Etsch-Radweg
Der Etsch-Radweg zählt zu den schönsten Fernradwegen der Alpenregion. Auf unserem Abschnitt ist er ein wahrer Genuss: ruhig, autofrei und eingebettet in die sanfte Natur entlang des Etschufers. Mein persönliches Highlight? Eine grosse Schafherde, die seelenruhig am Fluss graste. Doch die Idylle hat einen Haken: Am Nachmittag meldet sich meist der ewige Widersacher aller Radler – der Gegenwind.



Ein Abstecher mit Tiefgang – das Messner Mountain Museum in Sigmundskron
Zwischen all den Radtouren gönne ich mir einen kleinen Kulturschlenker und besuche das Messner Mountain Museum in Sigmundskron. Hohe Berge üben seit jeher eine Faszination auf mich aus – auch wenn ich sie lieber aus der Ferne bestaune, als mit Steigeisen zu erklimmen. Das Museum hat etwas Magisches: Es erzählt auf berührende Weise vom Verhältnis zwischen Mensch und Berg, von Spiritualität, Kultur und der stillen Ehrfurcht, die Gipfel auslösen können. Und als wäre das noch nicht genug, fühlt sich das Gelände selbst wie ein Kunstwerk an – perfekt eingebettet in die Landschaft, schlichtweg ein Fest für Auge und Seele.



Bozen – Aperol, Ausblick und Altstadtflair
Ein gemütlicher Bummel durch die Altstadt von Bozen gehört einfach dazu. In den verwinkelten Gassen pulsiert das Leben – die Menschen sitzen entspannt draussen, plaudern, nippen am Apéro und geniessen das mediterrane Flair. Besonders empfehlenswert: ein Abstecher zur Oswald Promenade. Von hier oben öffnet sich ein herrlicher Blick über die Stadt bis hin zu den umliegenden Bergen – ein perfekter Ort, um einmal tief durchzuatmen und Südtirol auf sich wirken zu lassen.



Mendelpass – Höhenrausch und Kaffeekater
Es geht wieder aufs Rad – der Mendelpass ruft! Eine legendäre Route unter Südtirols Pässen, gespickt mit Kurven, Höhenmetern und Ausblicken, die jede Schweissperle wert sind. Oben angekommen, fühlt man sich wie eine kleine Gipfelheldin – zumindest bis zur rasanten Abfahrt. Zurück im Tal legen wir eine Kaffeepause in Kaltern ein. Der Dorfplatz ist gut gefüllt – eigentlich überfüllt. Überall Fahrräder, Menschen, Stimmengewirr. Nach der stillen Beschaulichkeit der letzten Tage war mir das einfach zu viel.



Kohlern – Ausblicke und Stille
Eine weitere Herausforderung ist der Kohlern – eine tolle Strecke, die mit atemberaubenden Ausblicken auf Bozen belohnt. Der Weg führt uns hoch hinauf, und das Beste daran: fast kein Verkehr. Hier kann man richtig in die Stille eintauchen und die Aussicht in vollen Zügen geniessen.



Das Südtirol war eine perfekte Mischung aus sportlichen Herausforderungen und kulinarischen Höhepunkten. Abends im Hotel kamen wir jeweils in den Genuss einer wunderbaren Fusion aus italienischer und österreichischer Küche – jede Mahlzeit ein Genuss, begleitet von exzellentem Wein aus der Region.
Mit seinen zwei Sprachen und der einzigartigen Mischung aus Kultur und Natur, hat sich die Region als echtes Radlerparadies entpuppt – mit Höhenmetern, Herzlichkeit und herrlichem Essen.



