Achensee: Warme Momente im Advent

Herz mit Lichterschlange

Kurz vor Weihnachten entsteht die Reise spontan. In den heimatlichen Bergen fehlt der Schnee, Wintersport fällt aus. Also geht es zurück an den Achensee, an einen Ort, den ich bereits aus dem Sommer kenne. Auch im Advent fühlt sich der Achensee genau richtig an.


Ein Hotel mit Herz und Liebe fürs Detail

In Pertisau wartet das kleine Boutique-Hotel Central. Persönlich geführt, herzlich und mit einer Chefin, die eindeutig eine Deko-Queen ist, alles stimmig und mit viel Gefühl arrangiert. Man tritt ein und bleibt automatisch gern.

Abends wird geschlemmt. Das Abendessen ist jeden Tag ein kleines Fest. Allein dafür hätte sich die Reise schon gelohnt.


Uferweg, Höhenmeter und eine Fahrt übers Wasser

Eine Wanderung führt mich dem Seeufer entlang von Pertisau nach Scholastika. Das Wetter ist ideal zum Wandern, es fühlt sich eher nach Herbst als nach Winter an. Der Weg ist überraschend fordernd, mit viel Auf und Ab, aber der Blick auf den See begleitet jeden Schritt.

Beim winzig kleinen Weihnachtsmarkt in Scholastika warte ich auf die Abfahrt des Schiffes für die Rückfahrt nach Pertisau. Pferdekutschen, musizierende Kinder und mit dem Verschwinden der Sonne wird es plötzlich empfindlich kalt. Die Mütze wandert tief ins Gesicht, die Handschuhe kommen an die Hände.

An Bord wieder ein kleiner Weihnachtsmarkt, nett, aber nicht aufregend. Das Schiff ist hübsch dekoriert, ich klebe am Fenster und schaue hinaus, während draussen die Lichter vorbeiziehen.


Winterwandern zur Gramai-Alm

Ein anderer Tag gehört der Gramai-Alm. Der Weg dorthin, rund acht Kilometer pro Strecke, liegt grösstenteils im Schatten. Genau deshalb liegt hier noch etwas Schnee und es fühlt sich tatsächlich wie eine Winterwanderung an.

Auf halbem Weg liegt die Falzthurnalm, eine kleine, urige Jausenstation. Draussen ein paar Schneehühner, drinnen ist es eng, warm und gemütlich und man rückt zusammen.

Oben auf der Gramai bedient uns mittags derselbe Kellner wie abends im Hotel in Pertisau. Die Almwirtschaft gehört zum Hotel im Dorf, entsprechend vertraut ist die Stimmung. Einige Gäste kennt man bereits aus dem Hotel, man nickt sich zu, wechselt ein paar Worte. Die Chefin schaut vorbei und stellt ein Schnapserl auf den Tisch.


Steil bergauf und weit hinunter ins Dorf

Eine weitere Tour führt zum Feilkopf. Der Weg beginnt sportlich. Für den Aufstieg wählen wir den knackigen Wanderweg, steil durch den Wald bergauf. Es geht zügig zur Sache, die Beine melden sich, der Atem auch.

Der grosse Moment wartet beim Kreuz. Der Blick hinunter auf den Achensee ist gigantisch. Weit, klar und offen. Jeder Schweiss­tropfen hat sich gelohnt, sobald man ankommt.

In der Feil-Alm Hütte dann eine dieser Begegnungen, die bleiben. Zufällig treffen wir den Chef unseres Hotels, er ist unterwegs mit Freunden. Ein kurzes Hallo, ein paar Sätze, und schon steht wieder ein Schnapserl auf dem Tisch.

Der Abstieg erfolgt über die Forststrasse. Weniger steil, dafür lang. Man kommt zwar schnell vorwärts, aber es zieht sich gewaltig zurück ins Dorf. Mit der Zeit verleidet es uns richtig und wir werden immer schneller, einfach um endlich anzukommen.


Aufraffen, durchhalten und Apfelstrudel

Der Spaziergang von Pertisau nach Maurach fällt auf einen Tag, an dem man sich erst überwinden muss. Nebel liegt in der Luft, es ist nass, kalt und der Schneegraupel fühlt sich unangenehm an.

Doch in Maurach wartet die Belohnung. Ein Café, Wärme und der Duft von Wienerschnitzel in der Luft. Ich entscheide mich trotzdem für süss. Ein Apfelstrudel landet auf dem Tisch, warm und genau richtig.

Zurück nehme ich den Bus. Er fährt nicht allzu häufig, also bleibt noch Zeit für einen ordentlichen „Jagatee“.


Die Zeit in Pertisau war kein Wintermärchen, dafür reich an guten Momenten. Und genau das braucht es im Advent.


In diesen Tagen blicke ich auch dankbar zurück auf ein Jahr mit ausserordentlich vielen Reisen. Auf Wege, Begegnungen und Erinnerungen, die geblieben sind. Und vielleicht ist genau das mein grösster Weihnachtswunsch: weiter das zu tun, was mich glücklich macht.