Drei Wochen Portugal, mit dem Zug von Porto bis Faro. Sandrita reist mit Handgepäck-Köfferli, während der Mann «leichtes Gepäck» etwas grosszügiger interpretiert. Funktionieren tut beides. Was von der Reise hängen bleibt? Nicht unbedingt das, was im Reiseführer steht.

Hier kommen sie, unsere kleinen Portugal-Hängenbleiber:

Auf die Pastéis de Nata habe ich mich schon vor der Reise ganz besonders gefreut. Meist lagen sie schon beim Frühstücksbuffet herum und machten Widerstand zwecklos. Und wenn wirklich keines mehr reinpasste? Dann konnte es passieren, dass einem der Kellner noch mit Alufolie hinterherrannte, damit das arme Pastel bloss nicht zurückbleiben musste.

Porto ist eine alte Bekannte und durfte unsere Reise eröffnen. Kaum bin ich irgendwo auf der Welt unterwegs, blühe ich auf. Und wenn dann irgendwo noch Strassenmusik spielt, bin ich definitiv nicht mehr aufzuhalten.

Fitnessprogramm brauchten wir keines zu buchen. Portugal hatte Treppen. Viele Treppen. Und da all die Pastéis de Nata irgendwie wieder abgearbeitet werden mussten, nahmen wir sie erstaunlich oft freiwillig in Angriff.
Als kleine Zusatz-Challenge gab’s das portugiesische Kopfsteinpflaster: uneben, löchrig und stellenweise spiegelglatt. Den Blick verträumt durch die Gassen schweifen lassen? Besser nur im Stehen.

Normalerweise ziehen wir lieber auf eigene Faust los. Im Dourotal haben wir uns einer organisierten Tour angeschlossen. Zwei Weinproben, ein leckeres Mittagessen, Böötli fahren, Landschaft wie aus dem Bilderbuch und eine komplett durchgeknallte Influencerin, die zuverlässig für Unterhaltung sorgte. Ein absolut gelungener Tag.

Nach einem kleinen Fehlversuch war unser Lieblings-Absacker schnell gefunden: Amêndoa Amarga. Nur mit dem Namen hatten wir noch etwas zu kämpfen. Kaum konnten wir Amêndoa endlich halbwegs richtig aussprechen und betonen, stand das Zeug am nächsten Ort plötzlich als Amarguinha auf der Karte. Also wieder von vorne. Und als hätten wir mit dem Namen nicht schon genug zu tun, schmeckte das Ding plötzlich auch noch nach Zitrone. Wääh. Immerhin war damit klar, welches portugiesische Vokabular wir als Nächstes brauchten: ohne Zitrone.

Kirchen gibt es in Portugal wirklich nicht zu knapp. Wir haben längst nicht alle angeschaut. Bom Jesus do Monte in Braga musste aber sein – schon wegen der 573 Stufen. Eigentlich fährt dort seit über 140 Jahren ein historisches Bähnli hinauf, eine Attraktion für sich. Wir entschieden uns trotzdem für die Treppe.

Sandrita und Meer, das ist einfach ein Match. Ich brauche keinen Strandurlaub, keine Liege und keinen Sonnenschirm. Aber Salzluft, eine feine Meeresbrise und ganz viel Weite, das ist mein Ding. In Viana gab es davon reichlich. Perfekt für einen langen Spaziergang, ein bisschen Angler beobachten und natürlich rein zufällig auch die knackigen Surferboys.

Streetart gab’s in Portugal immer wieder zu entdecken, in der LX Factory in Lissabon dann gleich in geballter Ladung. Also den eher weniger interessierten Mann mit einer Dose Cola auf einer schattigen Bank parkiert, Kamera gezückt und schwupps ist Sandrita weg.

Für die Noite Branca in Braga musste natürlich extra eine weisse Bluse mit ins Köfferli. Die hat den Abend allerdings nicht ganz unbeschadet überstanden. Schuld war die Schoggi-Glacé, was sonst.
Das ominöse Festival Becher-Depot-System haben wir bis zum Schluss nicht kapiert. Dafür die Musik umso mehr. Bei der portugiesischen Band GNR wurde das ganze Konzert live in Gebärdensprache übersetzt und die Dolmetscherin hat die Musik mindestens so sehr gelebt wie die Band auf der Bühne.

Das ist in jeder Stadt eines meiner Highlights: zum ersten Mal einfach durch die Gassen schlendern, auf einem hübschen Platz hängen bleiben, ein Super Bock bestellen und langsam spüren, wie der neue Ort tickt. Und am Abend nochmals losziehen, wenn die Tagestouristen weg sind und die Stadt wieder ein bisschen mehr sich selbst gehört.

Wir haben sie geliebt, diese kleinen Restaurants mit Tagesmenü, wenig Schnickschnack, kleinen Preisen und ganz viel Portugal. Manchmal verständigten wir uns mit Händen und Füssen, manchmal wurde kurzerhand die Menütafel an unseren Tisch getragen und mit Engelsgeduld erklärt, was heute auf den Teller kommt. Verstanden haben wir zwar nicht immer alles, bestellt wurde trotzdem und meistens ziemlich glücklich aufgegessen.

Zugreise heisst natürlich auch: ziemlich viel Zeit auf Bahnhöfen verbringen. Zum Glück können die Portugiesen Bahnhof ziemlich hübsch. In Aveiro gab’s die volle Azulejo-Dröhnung. Und weil die Bahn-App und wir nicht immer die allerbesten Freunde waren, lernten wir unterwegs auch den einen oder anderen Billetschalter persönlich kennen.

Eine Velofahrt musste einfach noch sein. Die Algarve lieferte dazu Salinen, Weite und Sonne satt. Und weil Velofahren bekanntlich hungrig macht, gab’s als Bonus frischen Fisch vom Grill.
Bestellen war allerdings wieder einmal eine kleine Herausforderung. Die Kellnerin blieb zunächst eisern bei Português und Schulterzucken. Bis der Schweizer Mann seinen Charme spielen liess und das Eis brach. Danach lief die Verständigung plötzlich erstaunlich gut.

Vielleicht sind es genau diese Momente, die ich am Reisen am meisten mag. Nach einem erlebnisreichen Tag irgendwo auf einem schönen Platz sitzen, einen Porto Tónico trinken, überlegen, wo wir später essen gehen und was der nächste Tag bringen könnte.

Sonnenuntergang auf der Brücke in Tavira, einer dieser magischen Momente. Der Mann zeigte allerdings wenig Interesse an Romantik und blieb lieber bei seinem Aperol Spritz sitzen. Also zog Sandrita 100 Meter weiter und genoss das Spektakel eben alleine. Jeder hat schliesslich seine Prioritäten. Gemeinsam erlebte Sonnenuntergänge auf dieser Reise: 0!

Lissabon hatte auch noch ein paar Gschichtli für uns. Kaum im Appartement angekommen, liess sich die Balkontüre nicht mehr öffnen. Der Mann war sich ziemlich sicher, dass nicht die Türe, sondern die Frau das Problem war. Bis er sich selbst daran versuchte und irgendwann zum Schluss kam: Da muss wohl Hilfe her. Also unserem Vermieter Moises getextet, wie man das in der modernen Welt halt so macht. Fünf Minuten später war die Sache geregelt. Balkontüre offen. Frau rehabilitiert.
Und dann war da noch unsere spontane Google-Reservation bei irgendeinem Italiener im Quartier. Erst vor Ort merkten wir, dass wir gerade bei Jamie Oliver sitzen.

Drei Wochen später wissen wir: Zugfahren können wir. Treppen steigen auch. Portugiesisch eher weniger. Leichtes Gepäck reicht erstaunlich weit, eine Waschmaschine zwischendurch wirkt Wunder und die richtigen Prioritäten sind sowieso Gold wert. Zum Beispiel Pastéis de Nata nicht abzulehnen, Sonnenuntergänge auch alleine zu geniessen und rechtzeitig einen Lieblings-Absacker zu finden.
Und Portugal? Das ist definitiv hängen geblieben.
Muito obrigada. ❤️
